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Es war einmal. Wir blicken zurück auf gut sechs Jahre Pionierarbeit für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln.

Ende 2011 haben sich die Designerinnen Tanja Krakowski und Lea Brumsack im Rahmen einer Filmveranstaltung von Valentin Thurn kennengelernt. Der Dokumentationsfilm Taste the Waste so wie die Mutatoes des Künstlers Uli Westphal waren erster Anstoß für die gemeinsame Aktion „Esst MiSfiTs“: Ein Wägelein aus recycelten Baumaterialien bestückt mit krummen, zweibeinigen und verwachsenen Möhren von Bauer Zielke war sofort ein Hingucker in der Markthalle Neun und sorgte ordentlich für Aufmerksamkeit. „Die kenne ich noch von früher.“ oder „Wow, was sind denn das für Monster!“ und „Die schmecken ja großartig!“ waren motivierende Kommentare, um mit weiteren Aktionen die MiSfitS – und somit ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung – stark zu machen.

So wurden aus einer einer künstlerischen politischen Aktion etliche mehr und der kleine MiSfiTs-Wagen rollte von Markt zu Veranstaltung über die Straßen. CulinARy MiSfiTs wuchs zu einem kleinen Unternehmen und die beiden Aktivistinnen erprobten sich zwischen Acker und Teller auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Es wurde anfangs noch selbst gebuddelt und geerntet – die sogenannte Nachlese – später dann direkt bei ihren Kooperationsbauern aus der Umgebung gegen einen für beide Seiten angemessenen Preis bestellt oder abgeholt.

2013 wurde das erste Startkapital für den geplanten MisfiTs-Laden über ein Crowdfunding erfolgreich zusammengetragen. Gleichzeitig wuchs nicht nur Interesse der Berliner Food-Szene, auch die weltweite Presse hatte erkannt, das wir den Zeitgeist –  das unbequeme Thema Lebensmittelverschwendung auf sympathisch positive Art zu kommunizieren – getroffen hatten. So landeten wir mit unserem Vorhaben überraschend auf Spiegel Online oder in der New York Times/Berlin Journal. Hässliches Gemüse, das ist nicht unbedingt etwas für die Alltagsroutine, doch CulinARy MiSfiTs war wortwörtlich in aller Munde.

Bis die beiden Designerinnen mit ihrer Idee dann auch räumlich sesshaft werden konnten, wurde bei diversen Anlässen gewerkelt und gekocht. Immer im Fokus: Die Ästhetik und Herkunft der MiSfiTs, die damit einhergehende Geschichte und letztendlich der ganzheitliche Zugang zu unserer Natur und Nahrung.

Das Ladengeschäft mit kleinem Café und Gemüsewerkstatt für Workshops war nun im Frühjahr 2014 in Kreuzberg geboren. Dort gab es eben nicht nur kulinarische Leckereien aus der Region und ausgefallene Eigenkreationen aus dem Weckarchiv, sondern hier wurde die Gemüsevielfalt in Form von Teambuilding-Workshops und spielerischen Veranstaltungen zelebriert und gelebt. Parallel wurde weiterhin an der Kommunikation und Aufklärungsarbeit für mehr Wertschätzung unserer Lebensmittel gearbeitet. Wie sah das konkret aus? Die MiSfits waren involviert in Kochprojekte, Kurzfilme, Kinder-Workshops, Wanderausstellungen, Diskussionsrunden, bei der Expo in Mailand, im Radio, als Suppe im Bio-Supermarkt, zu Gast in anderen Städten, auf der Bühne, auf dem Acker selbst, und natürlich am Kochtopf. Ganz schön spannend, aber auch ganz schön viel!

Nach fast sechs Jahren Einsatz zwischen Acker und Teller sowie zwei Jahren Ladenalltag mit allerhand verarbeitetem und vermarktetem Gemüse in unterschiedlichsten Aktionsformaten beschlossen Lea und Tanja sich aus der Gastronomie zurückzuziehen.

CulinARy MiSfiTs als Initiative wurde Ende 2017 aufgelöst. Bis heute setzen sich Tanja und Lea beruflich wie privat mit Leidenschaft für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln aktiv ein.